,

Setzen, Sechs? Fehlanzeige!

Wer Wind sät, wird Shitstorm ernten? Laut den Ergebnissen einer Studie von 2013 ist die Windlage online deutlich günstiger als befürchtet: Etwa 80 Prozent der Ärzte wurden auf Jameda positiv bewertet.

Wie doccheck.com berichtete, wurden insbesondere Allgemeinmedizinern, Urologen und Internisten Bestleistungen zugeschrieben. Rechtliche Auseinandersetzungen in der Vergangenheit ließen bei Ärzten Bedenken gegenüber Online-Bewertungen wie bei Jameda aufkommen.

Mehrheit der Ärzte selten bewertet

Emmert und Meier von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg werteten auf Jameda 127.192 Einträge von 107.148 Patienten aus. Betroffen waren 53.585 Ärzte. Knapp die Hälfte der Ärzte im Portal erhielt nur eine einzige Bewertung, nur knapp zwei Prozent wurden zehn Mal oder noch häufiger bewertet. Überwiegend sind es die Patientinnen, die Noten vergeben (60 Prozent) und jeder zweite Nutzer ist zwischen 30 und 50 Jahre alt. Gesetzlich krankenversichert waren 83 Prozent der User. Gegenstand der Online-Bewertungen sind oftmals Wartezeiten, Organisation, Freundlichkeit und Einfühlsamkeit während der Behandlung.

Nicht für alle gleich gute Noten

Untersucht wurde ebenfalls, welche Fachärzte auf Jameda am häufigsten bewertet wurden.  Die meiste Aufmerksamkeit wurde den Orthopäden (59,2 Prozent), Gynäkologen (56,9 Prozent) und Mund-, Kiefer-und Gesichtschirurgen (56,5 Prozent) geschenkt. Deutlich seltener haben die Nutzer ihre Meinung über Haus- und Augenärzte sowie Internisten und Pädiater kundgetan. Doch die erteilten Noten bewegen sich zu 80 Prozent im sehr guten und guten Bereich. Besonders Internisten, Allgemeinmediziner und Urologen stoßen auf positive Resonanz. Damit sind sie etwas beliebter als die Augenärzte, Orthopäden und Hautärzte. Und auch die Ärztinnen kommen im Schnitt besser an als ihre männlichen Kollegen.

Online-Noten sind Meinungsäußerung

Eine Ärztin hatte laut doccheck.com versucht, an persönliche Nutzerdaten von Kritikern auf Jameda heranzukommen. Diese Anfrage wurde vom Landgericht jedoch abgelehnt, da dies nur im Fall einer Strafverfolgung zulässig sei. Der Gesetzeslage nach müssen Ärzte aber akzeptieren, dass Patienten sie online bewerten. Die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Arzt fällt unter Artikel 5 des Grundgesetzes und ist als Meinungsäußerung und von öffentlichem Interesse zu werten, so das Urteil des Landgerichts Kiel vom 6. Dezember 2013.

Was tun bei negativen Kommentaren?

Doch keine Sorge: Bei Schmähkritik ist die Grenze überschritten. Schlechte Noten sind zwar erlaubt, aber Ihre Persönlichkeitsrechte dürfen in keinem Fall verletzt werden – beispielsweise durch einen anmaßenden Kommentar, der auf Sie als Person abzielt. Beleidigende und bedrohliche Online-Bewertungen müssen vom entsprechenden Portal gelöscht werden. Glücklicherweise zeigt die Studie, dass Shitstorms auf solchen Seiten äußerst selten sind. Kontrollieren Sie nichtsdestotrotz regelmäßig, welche Meinung über Sie im Netz verbreitet wird. Falls Sie negative, aber rechtmäßige Online-Bewertungen erhalten haben, können Sie teilweise auf die jeweiligen Beiträge reagieren: Beziehen Sie Stellung und äußern Sie Ihr Bedauern. Bitten Sie dafür Ihre zufriedenen Patienten darum, Ihnen eine positive Bewertung im Netz zu hinterlassen, um das negative Bild wieder auszugleichen. So können Sie Bewertungsportale als zusätzliche Marketingmaßnahme für Ihre Praxis nutzen. Und schlussendlich: Nehmen Sie die Kritik an und lernen Sie aus den Fehlern. So können Sie auch in Zukunft Ihre positiven Online-Bewertungen beibehalten.

Quelle: https://news.doccheck.com/de/40542/arztbewertungen-sommerbrise-statt-shitstorm/